Mastershausen hat den Masterplan – ein Beispiel für eine lokale Energiewende!

12. Mai 2012 [ von Jörn Burger ]

Über die Energiewende wird viel geredet und leider kommt sie nur langsam voran. Um ein wenig Schwung in die Sache zu bringen, hat die Greenpeace-Gruppe Frankfurt die Idee der „Bürgermeister-Tour“ entwickelt. Wir wollten mit Vertretern aus Kommunen im Rhein-Main-Gebiet einen Ort besuchen, in dem die lokale Energiewende bereits im vollem Gange ist. Dafür gibt es ja in Deutschland schon viele gute Beispiele. Nach ein paar Recherchen stießen wir dabei auf den Ort Mastershausen im Rhein-Hunsrück-Kreis. Unser Ziel war es, den Vertretern aus den Kommunen nicht nur zu zeigen, welche erneuerbaren Energien eine Kommune nutzen kann, sondern auch wie sie davon profitieren kann. Und wie man die Bürger bei der lokalen Energiewende mit einbezieht, damit sie nicht das Gefühl haben, das „die da oben machen, was sie wollen“.

Besucher und Ehrenamtliche von Greenpeace Frankfurt © Andreas Varhorn / Greenpeace

Wir nahmen dann mit Toni Christ, dem parteilosen Bürgermeister von Mastershausen, Kontakt auf und er war sofort bereit, seinen Amtskollegen aus dem Rhein-Main-Gebiet zu zeigen, wie die lokale Energiewende in Mastershausen durchgeführt wird. Am 27. April, einen Tag nach dem Tschernobyl-Tag, fuhren wir also mit Vertretern aus 7 Kommunen in den Hunsrück. Der Ort hat etwa 1050 Einwohner. Auf Grundstücken, die der Gemeinde gehören, stehen mittlerweile 10 Windkraftanlagen, 7 davon mit einer Leistung von je 2 Megawatt und die übrigen 3 mit je 2,3 MW. 4 weitere Anlagen sollen noch dazu kommen, eine davon als „Bürgerwindrad“, an dem jeder Bürger Anteile erwerben kann. Schon jetzt ist das der leistungsstärkste Windpark im Rhein-Hunsrück-Kreis. Dazu kommt eine PV-Anlage mit einer Leistung von 2,75 MW, welche unmittelbar neben dem Windpark errichtet wurde. Die Betreiber der Windkraftanlagen zahlen an die Gemeinde etwa 200.000 Euro Pacht pro Jahr. Die Pacht für die PV-Anlage in Höhe von 630.000 Euro hat die Gemeinde sich im Voraus vom Betreiber auszahlen lassen. Das Geld soll für den Bau eines Seniorenheimes verwendet werden. Außerdem ist Mastershausen an den Erlösen aus dem Stromverkauf beteiligt. Jetzt wird sogar die Abschaffung der Grundsteuer geplant. Einige Kommunen dagegen erhöhen gerade die Grundsteuer.

Bevor die ersten Anlagen gebaut werden konnten, musste Bürgermeister Christ viele Hürden nehmen. Nach 7 Gerichtsverfahren, die Mastershausen alle gewonnen hat und einigen Hunderttausend Euro Investitionen – u.a. für Gutachten zur Umweltverträglichkeit der Anlagen – konnte der Bau losgehen. Wie uns Herr Christ erzählte, brütet zum Beispiel im Wald neben dem Windpark ein Schwarzstorch. Er war schon vor dem Bau der Windkraftanlagen dort. Nach dem Bau der Anlagen ist er immer noch da.

Bürgermeister und Besuchergruppe vor Windkraftanlagen

Bürgermeister und Besucher vor Windkraftanlagen / © Jörn Burger / Greenpeace Frankfurt a.M.

Und so geht die Energiewende in Masterhausen weiter. Auch im Wärmebereich setzt Mastershausen auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Wer eines der alten Häuser im Ort kauft, bekommt einen Zuschuss für eine energetische Gebäudesanierung von bis zu 10.000 Euro. Gerade wird der Bau einer kleinen Biogasanlage und eines BHKW geplant, das mit Holzhackschnitzel betrieben wird. Das Pflanzenmaterial für die Biogasanlage kommt nur aus der Gemarkung von Mastershausen. Mais wird nicht verwendet, weil man keine Monokulturen fördern will. Hauptsächlich ist Gras dafür vorgesehen. Das Holz für das BHKW kommt aus dem Gemeindewald. Der Ort bekommt dazu ein Nahwärme-Netz und viele Bürger von Mastershausen haben sich schon gemeldet, um an das Netz angeschlossen zu werden. Wenn das fertig ist, werden wir da wieder hinfahren und uns das anschauen.

Bei allen Projekten werden die Bürger mit einbezogen und können heute auch sehen, was sie davon haben. Die Schule wurde saniert, der Kindergarten neu gebaut, ein spezieller Kleinkinderspielplatz gebaut, eine Bücherei eröffnet, die Vereine im Ort erhalten jährlich feste Zuschüsse und so weiter. Die Liste ließe sich fortsetzen. Einmal im Jahr gibt es ein „Windfest“, bei dem die Leute in einer Windkraftanlage nach oben fahren dürfen und die Aussicht über die Landschaft genießen können.

Fazit: Wir haben bei unserem Ausflug nach Mastershausen viel Positives zur lokalen Energiewende erfahren und auch unsere Kommunalvertreter waren tief beeindruckt. Was in Mastershauen passiert, kann zwar nicht 1:1 auf andere Kommunen übertragen werden, aber viele Ideen zur lokalen Energiewende können als Anregung für die eigene Heimatkommune genutzt werden. Uns hat das Ganze jedenfalls sehr motiviert, weiter für die Energiewende auch hier in Frankfurt zu arbeiten. Wer noch mehr über Mastershausen erfahren will, schaut einfach auf der Homepage oder fährt selber mal hin. Es muss ja nicht immer Mallorca sein. Der Hunsrück ist schöner als man denkt, auch mit Windrädern.

Autor: Johannes Reinhartz, Greenpeace Frankfurt a.M.

Fördert die EU jetzt Atomkraftwerke, anstelle von Erneuerbarer Energie ?

24. April 2012 [ von Alex Wenzel ]

Ginge es nach den großen AKW-Betreibern, würde die EU  neuerdings AKWs subventionieren.  Und Länder wie Frankreich, England, Tschechien oder Polen schicken gerade diesbezüglich Ihre Lobbyisten nach Brüssel.   Komisch eigentlich, die Produktion von Atomenergie ist doch angeblich so günstig. Und der Steuerzahler hat die Atomkraft bereits seit 1950 mit ca. 200 Milliarden Euro subventioniert.

Laut Berechnungen von Greenpeace könnte Deutschland 100 % des Stroms bis 2050 aus Erneuerbaren Energien beziehen. Das kostet was, und zwar ca. 200 Milliarden Euro. Da ist sie wieder, diese Summe.  Mit dem kleinen Unterschied: bereits bis 2030 hätte Deutschland ca 300 Milliarden Euro an Brennstoffkosten eingespart. Und macht sich unabhängig von Brennstoffen, die in wenigen Jahrzehnten um ein Vielfaches über den heutigen Kosten liegen werden.  Für einen Unternehmer wäre das eine lohnenswerte Investition in die Zukunft.   Sieht das die EU auch so?

Abgesehen vom finanziellen Vorteil gibt es dann kein zusätzliches Restrisiko, keine Endlagerung, keine Abhängigkeit vom Ausland für Gas, Uran, Kohle  oder Öl, keine Abhängigkeit von einer handvoll Energiekonzernen und jede Menge neuer Arbeitsplätze.  So was nennt man auch win-win-Situation.  Aktuell bezieht Deutschland noch seine Energierohstoffe zu 70 % aus dem Ausland!

Und das mit der Energielücke ist eine Mähr,  die sich mittlerweile bestens widerlegen lässt: Im ersten Halbjahr 2011 wurden 23,9 Terrawatt-Stunden nach Deutschland importiert, zur gleichen Zeit 27,9 Terrwatt-Stunden exportiert. Wir sind also 17 % im Plus, obwohl 8 AKWs aus Sicherheitsgründen abgeschaltet wurden ( Quelle: UDI)

Also, es geht doch…   worauf warten wir noch ?  Auf andere Länder, die uns dabei die Hand halten ?  Länder wie Frankreich werden in Kürze nachziehen, wenn sie sehen, dass es funktioniert.   Den wirtschaftlichen Vorsprung wird uns dann aber keiner mehr nehmen können.

Die Rainbow Warrior III

23. Oktober 2011 [ von Alex Wenzel ]

Greenpeace wurde vor ca 40 Jahren “auf dem Wasser” geboren. Die allererste Aktion spielte sich auf dem Wasser ab, in der Nähe von Alaska protestierte Greenpeace friedlich 1971 gegen Atomwaffenversuche der US-Amerikaner. Und seit dieser Zeit ist Greenpeace auf allen Weltmeeren und Binnengewässern konstant unterwegs. Zur Verfügung stehen zum Beispiel der Eisbrecher Arctic Sunrise, das Forschungsschiff Esperanza, das Fluss- und Küstenschiff Beluga II und etliche Schlauchboote. Und seit dem 20. Oktober nun auch die Rainbow Warrior III.   Ca. zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Der Mensch nutzt seit jeher die Wassermassen als Transportwege, Trinkwasser- und Nahrungsmittellieferant und als Müllhalde.  Neuerdings wid auch Energie aus Gezeitenkraftwerken gewonnen.  Greenpeace setzt sich als Umweltschutzorganisation für den Erhalt der Lebensgrundlagen ein, und da spielt nun Wasser eine bedeutende Rolle. “Bear witness” ist das Arbeitsprinzip von Greenpeace, vor Ort das Unrecht aufspüren und dokumentieren.  Die Rainbow Warrior wird dabei die nächsten Jahre viele Seemeilen zurücklegen, und das zu ca. 90 % als Segelschiff.  Gute Reise, alles Gute und viel Erfolg ……..

Mahnwachen in Frankfurt

03. April 2011 [ von Alex Wenzel ]

Mahnwache Frankfurt

Von Wikipedia lernen wir, dass Mahnwachen politisch motiviert sind und es sich dabei um friedliche Demonstrationen gegen gesellschaftliche Missstände handelt. Politisch und friedlich,  das ist wohl war. Und jeden Montag kann sich jeder an Mahnwachen beteiligen, in Gedanken bei der japanischen Bevölkerung sein und sich gegen die Atomenergie aussprechen.  Treffpunkt meist  um 18.00 Uhr, direkt an der Hauptwache / Katharinenkirche. Alle Umweltverbände und einige Parteien rufen regelmäßig dazu auf.

Handelt es sich dabei aber wirklich um gesellschaftliche Missstände ? Seit vielen Jahren ergeben unabhängige Umfragen, dass sich die Gesellschaft in Deutschland klar gegen die Atomkraft ausspricht.  Die Regierung hat schon lange keine Mehrheit mehr für die derzeitige Atompolitik.

Worin liegt denn der Nutzen für die Gesellschaft in der Atompolitik ?  Wird der Strom dadurch billiger ? Sicher nicht.  Wird die Versorgungssicherheit dadurch größer ? Aktuell sind 8  Atomkraftwerke abgeschaltet, trotzdem wird kein Strom aus dem Ausland zugekauft.

Ob es sich also bei der Atomkraft um einen gesellschaftlichen Misstand handelt oder eher nur um einen Missstand der Schwarz-Gelben Regierung, wäre zu überlegen.

Die Gesellschaft trägt allerdings das Restrisiko. Energiebetreiber haften zudem kaum für Folgeschäden, es haftet: die Gesellschaft.  Und Millarden Euro für die Endlagerung trägt: die Gesellschaft.

Der „Ökospinner“ und das „Restrisiko“

23. März 2011 [ von Joe Reinhartz ]

Seit über 20 Jahren engagiere ich mich nun schon für den Umweltschutz. Habe mich beschimpfen, verprügeln und verhaften lassen. Zusammen mit meinen Freunden bei Greenpeace habe ich unzählige Male über das „Restrisiko“ der Atomkraft gesprochen und bin öfter ein „Ökospinner“ genannt worden.

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