Über die Energiewende wird viel geredet und leider kommt sie nur langsam voran. Um ein wenig Schwung in die Sache zu bringen, hat die Greenpeace-Gruppe Frankfurt die Idee der „Bürgermeister-Tour“ entwickelt. Wir wollten mit Vertretern aus Kommunen im Rhein-Main-Gebiet einen Ort besuchen, in dem die lokale Energiewende bereits im vollem Gange ist. Dafür gibt es ja in Deutschland schon viele gute Beispiele. Nach ein paar Recherchen stießen wir dabei auf den Ort Mastershausen im Rhein-Hunsrück-Kreis. Unser Ziel war es, den Vertretern aus den Kommunen nicht nur zu zeigen, welche erneuerbaren Energien eine Kommune nutzen kann, sondern auch wie sie davon profitieren kann. Und wie man die Bürger bei der lokalen Energiewende mit einbezieht, damit sie nicht das Gefühl haben, das „die da oben machen, was sie wollen“.
Wir nahmen dann mit Toni Christ, dem parteilosen Bürgermeister von Mastershausen, Kontakt auf und er war sofort bereit, seinen Amtskollegen aus dem Rhein-Main-Gebiet zu zeigen, wie die lokale Energiewende in Mastershausen durchgeführt wird. Am 27. April, einen Tag nach dem Tschernobyl-Tag, fuhren wir also mit Vertretern aus 7 Kommunen in den Hunsrück. Der Ort hat etwa 1050 Einwohner. Auf Grundstücken, die der Gemeinde gehören, stehen mittlerweile 10 Windkraftanlagen, 7 davon mit einer Leistung von je 2 Megawatt und die übrigen 3 mit je 2,3 MW. 4 weitere Anlagen sollen noch dazu kommen, eine davon als „Bürgerwindrad“, an dem jeder Bürger Anteile erwerben kann. Schon jetzt ist das der leistungsstärkste Windpark im Rhein-Hunsrück-Kreis. Dazu kommt eine PV-Anlage mit einer Leistung von 2,75 MW, welche unmittelbar neben dem Windpark errichtet wurde. Die Betreiber der Windkraftanlagen zahlen an die Gemeinde etwa 200.000 Euro Pacht pro Jahr. Die Pacht für die PV-Anlage in Höhe von 630.000 Euro hat die Gemeinde sich im Voraus vom Betreiber auszahlen lassen. Das Geld soll für den Bau eines Seniorenheimes verwendet werden. Außerdem ist Mastershausen an den Erlösen aus dem Stromverkauf beteiligt. Jetzt wird sogar die Abschaffung der Grundsteuer geplant. Einige Kommunen dagegen erhöhen gerade die Grundsteuer.
Bevor die ersten Anlagen gebaut werden konnten, musste Bürgermeister Christ viele Hürden nehmen. Nach 7 Gerichtsverfahren, die Mastershausen alle gewonnen hat und einigen Hunderttausend Euro Investitionen – u.a. für Gutachten zur Umweltverträglichkeit der Anlagen – konnte der Bau losgehen. Wie uns Herr Christ erzählte, brütet zum Beispiel im Wald neben dem Windpark ein Schwarzstorch. Er war schon vor dem Bau der Windkraftanlagen dort. Nach dem Bau der Anlagen ist er immer noch da.
Und so geht die Energiewende in Masterhausen weiter. Auch im Wärmebereich setzt Mastershausen auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Wer eines der alten Häuser im Ort kauft, bekommt einen Zuschuss für eine energetische Gebäudesanierung von bis zu 10.000 Euro. Gerade wird der Bau einer kleinen Biogasanlage und eines BHKW geplant, das mit Holzhackschnitzel betrieben wird. Das Pflanzenmaterial für die Biogasanlage kommt nur aus der Gemarkung von Mastershausen. Mais wird nicht verwendet, weil man keine Monokulturen fördern will. Hauptsächlich ist Gras dafür vorgesehen. Das Holz für das BHKW kommt aus dem Gemeindewald. Der Ort bekommt dazu ein Nahwärme-Netz und viele Bürger von Mastershausen haben sich schon gemeldet, um an das Netz angeschlossen zu werden. Wenn das fertig ist, werden wir da wieder hinfahren und uns das anschauen.
Bei allen Projekten werden die Bürger mit einbezogen und können heute auch sehen, was sie davon haben. Die Schule wurde saniert, der Kindergarten neu gebaut, ein spezieller Kleinkinderspielplatz gebaut, eine Bücherei eröffnet, die Vereine im Ort erhalten jährlich feste Zuschüsse und so weiter. Die Liste ließe sich fortsetzen. Einmal im Jahr gibt es ein „Windfest“, bei dem die Leute in einer Windkraftanlage nach oben fahren dürfen und die Aussicht über die Landschaft genießen können.
Fazit: Wir haben bei unserem Ausflug nach Mastershausen viel Positives zur lokalen Energiewende erfahren und auch unsere Kommunalvertreter waren tief beeindruckt. Was in Mastershauen passiert, kann zwar nicht 1:1 auf andere Kommunen übertragen werden, aber viele Ideen zur lokalen Energiewende können als Anregung für die eigene Heimatkommune genutzt werden. Uns hat das Ganze jedenfalls sehr motiviert, weiter für die Energiewende auch hier in Frankfurt zu arbeiten. Wer noch mehr über Mastershausen erfahren will, schaut einfach auf der Homepage oder fährt selber mal hin. Es muss ja nicht immer Mallorca sein. Der Hunsrück ist schöner als man denkt, auch mit Windrädern.
Autor: Johannes Reinhartz, Greenpeace Frankfurt a.M.




